Energieverbrauch und CO 2 -Ausstoß ausbremsen
Forschung: Bundesministerium finanziert gemeinsames Projekt von Hochschule und Firmen mit 480 000 Euro
Aschaffenburg. Mit 480 000 Euro unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein gemeinsames Forschungsprojekt der Hochschule Aschaffenburg, des Karlsteiner Batterie-Montage-Zentrums (BMZ) sowie des Aschaffenburger Gabelstapler-Herstellers Linde. Die Teilnehmer sollen drei Jahre lang untersuchen, wie sich Effizienz und Lebensdauer von Hochleistungs-Akkus verbessern lassen, wie sie in Elektro-Gabelstaplern eingesetzt werden.
Wer derzeit seine Rechnung an der Tankstelle begleicht, weiß, welche Rolle die Erforschung alternativer Antriebskonzepte für Fahrzeuge künftig spielen wird, erläuterte Hochschul-Präsident Professor Wilfried Diwischek beim Start des Projekts.
Zum Einsparpotenzial kommt der Umweltaspekt hinzu: Mit Leistungselektronik lasse sich 30 Prozent der Energie und damit ein beträchtlicher Kohlendioxid-Ausstoß sparen, erläuterte Ingenieur Eberhard Petri, Projektleiter für das Cluster Leistungselektronik der Allianz Bayern Innovativ.
Labor- und Projektleiter an der Aschaffenburger Hochschule ist Professor Johannes Teigelkötter, der sich seit acht Jahren mit Antriebstechnik für Elektrofahrzeuge beschäftigt.
Die Akku-Technik entwickelt sich rasant, so BMZ-Geschäftsführer Sven Bauer, dessen Firma in Karlstein Dettingen europaweit Marktführer in der Akkuherstellung ist. Habe man bei Mobil-Telefonen vor einigen Jahren noch regelmäßig die Akkus wechseln müssen, überdaure heute die Lebenszeit eines Akkus nicht selten die des Handys. Das Personal und die Sachmittel, die BMZ in das Projekt investiert, werden zu 60 Prozent gefördert.
Erforscht werden sollen jetzt unterschiedliche Energiespeicher, die mit "intelligenter" Leistungselektronik gekoppelt werden. Durch die Kombination von Lithium-Ionen-Akkus und so genannten Doppelschichtkondensatoren soll ein Speichersystem mit hoher Spitzenleistung und hoher Energiedichte entstehen, heißt es in der Projektbeschreibung.
Teigelkötter erläutert ein Beispiel: "Bremsenergie geht zur Zeit als Wärme verloren." Diese Energie könnte auch speichert werden. Praktisch erprobt werden sollen die entwickelten Prototypen an einem Elektro-Stapler, den Linde Material Handling zur Verfügung stellt. Die Firma erhofft sich neue Impulse für ihre eigenen Produkte.
Reinhard Engelmann, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), sieht durch das Förderprojekt auch den Standort gestärkt. Das aktuelle Projekt komme einer Branche zugute, die zu den Konjunkturmotoren am bayerischen Untermain zählt. Die hiesigen Unternehmen müssten sich in weltweitem Wettbewerb behaupten. "Da kann man erfolgreicher sein, wenn der Staat ein bisschen hilft."
Die Aschaffenburger Studenten werden über Vorlesungen und Laborpraktika in das Projekt eingebunden. Auch Themen für Bachelor- und Master-Abschlüsse dürften anfallen. An der Hochschule wird für das Projekt ein Labor-Mitarbeiter und ein Teilzeit-Ingenieur eingestellt. Geplant ist der Aufbau einer Prüfanlage für Hochleistungsspeicher und Energiemanagementsysteme.
Eine Zwischenbilanz ist bereits im Oktober dieses Jahres zu erwarten. Dann veranstaltet Teigelkötters Labor eine Elektro-Mobil-Ausstellung (EMA) mit angeschlossener Fachtagung. Bereits 2006 hatte Teigelkötter eine EMA organisiert.