Bund zahlt fast eine halbe Million Euro, damit in Aschaffenburg bessere Akkus für Elektrofahrzeuge entwickelt werden
„Vielleicht nicht genial, aber aktuell"

Der Bund zahlt fast eine halbe Million Euro, damit in Aschaffenburg bessere Akkus für Elektrofahrzeuge entwickelt werden.

Aschaffenburg. Die Reichweite und die Lebensdauer der Akkus in Elektrofahrzeugen können noch erheblich gesteigert werden. Diese Überzeugung liegt einem Projekt zugrunde, das vorn Bundesforschungsministerium mit einem Zuschuss von 480000 Euro unterstützt wird. Das Geld bekommen die Aschaffenburger Fachhochschule (FH) und der Karlsteiner Hersteller von Batteriesystemen BMZ. Dritter im Bunde ist die Firma Linde. Ihre Gabelstapler dienen gleichsam als Versuchskaninchen.

Der Geschäftsführer der BMZ, Sven Bauer, verglich das Vorhaben gestern mit der Entwicklung bei Mobiltelefonen. Vor Jahren habe man mit einem einzigen Handy hintereinander mehrere Akkus verbraucht. Heute überlebe ein Akku mehrere Handys. Auch ein elektrisch angetriebener Gabelstapler benötige bis heute über die Jahrzehnte seiner Laufzeit hinweg mehrere teure Batterien. Deren Leistungsfähigkeit lasse sich aber so weit erhöhen, dass ein Stapler eines Tages mit nur einer Batterie auskomme.

Wie das im Einzelnen gehen soll, erläuterte Johannes Teigelkötter. Der Dozent und Laborleiter der FH hat das Projekt mit einem Team aus Mitarbeitern und Studenten aus der Taufe gehoben. Ein Stapler benötige, wenn er eine Last aufnehme und befördere, eine Höchstmenge an Energie, sagte er. Diese gehe verloren, sobald das Fahrzeug bremse, etwa um die Ladung abzusetzen.

Jetzt komme es darauf an, die plötzlich im Überfluss vorhandene Impulsleistung aufzufangen und zu speichern, um sie später wieder einsetzen zu können. Für dieses „Energiemanagement" benötige man eine neuartige Kombination von Lithium-lonen-Akkus und bestimmte Kondensatoren. Die Entwicklung und die Erprobung in der Praxis würden drei Jahre in Anspruch nehmen, kündigte Teigelkötter an.

Dass er mit seinem Projekt zum Zuge kam, führt er auf die hohen Rohölpreise sowie die globalen Umwelt- und Klimaprobleme. zurück. Dadurch sei die Erforschung von alternativen Antriebskonzepten für Fahrzeuge aller Art viel bedeutender geworden. Denn die Kohlendioxid- Emissionen seien so gering, dass der umweltpolitische Nutzen dieser Antriebsart auf der Hand liege.

Weil das Thema gerade Konjunktur hat, konnten die Projektpartner sich sogar aussuchen, ob sie ihr Vorhaben vom Freistaat oder vom Bund fördern lassen wollten. Es entsprach nämlich sowohl den Anforderungen der „Allianz Bayern Innovativ" als auch den Richtlinien des Forschungsministeriums, das in diesem Fall durch das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt vertreten wird. „Wir sind vielleicht nicht genial, aber aktuell", meinte Teigelkötter.

Der Zuschuss aus Berlin deckt zwar den größten Teil der entstehenden Kosten, doch die beiden Unternehmen bringen noch zusätzliche Mittel ein. Die größte Summe wird für das Personal benötigt. Reinhard Engelmann, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, rechtfertigte die Förderung durch den Steuerzahler. Der Staat müsse den Unternehmen bei ihren Innovationen „ein bisschen helfen, das Risiko zu tragen". Denn die Firmen vom Bayerischen Untermain stünden im Wettbewerb - „und zwar nicht mit Rhein-Neckar, sondern mit Japan und Amerika".