Brände setzen Lithium-Akku-Markt unter Druck
Lieferengpässe auf dem Wachstumsmarkt

Ein Feuer bei LG Chem Anfang März hat die ohnehin schon angespannte Lage auf dem Markt für Lithium-Ionen-Akkus weiter zugespitzt. Nachdem bereits Panasonic seit einem Brand Ende Sep-tember 2007 nur eingeschränkt lieferfähig war, liegen die Lieferzeiten bei Sanyo, Sony und Samsung nun bei bis zu 9 Monaten. Mit einer Entspannung der Beschaffungssituation ist nicht vor dem 4. Quartal 2008 zu rechnen.

München - Boomende Nachfrage, stockender Nachschub. In dieser Situation befindet sich derzeit der Markt für Lithium-Ionen-Akkus. Der brandbedingte Ausfall von zwei namhaften Herstellern innerhalb eines halben Jahres hat nicht nur die Lieferzeiten deutlich ansteigen lassen, sondern auch zu einer Preisteigerung geführt. Zwar werden die begehrten Energiespeicher in zwischen schon fast standardmäßig per Luftfracht ausgeliefert, doch mit einer Entspannung der Beschaffungssituation ist nach Einschätzung von Herstellern und Distributoren wohl erst im letzten Quartal zu rechnen.

 »Wir arbeiten derzeit im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr, und werden in diesem Jahr auch die 'Golden Week' ausfallen lassen«, berichtet Josef Zankl, New Business Manager bei Sanyo Energy, »wir sind derzeit nicht in der Lage, Lieferanfragen von Neukunden zu bestätigen«. Sanyos Werk in Tokushima produziert derzeit monatlich rund 70 Mio. Lithium-Ionen-Akkus. Zwar versucht man bei Sanyo kein Kapital aus den aktuellen Lieferengpässen zu schlagen,  »aber durch die derzeitige Produktionsweise fallen natürlich Überstundenzuschläge an, die der ein oder andere vielleicht an seine Kunden weitergibt« So berichtet etwa Werner Suter, Head of Sales & Marketing von SAT, von Preissteigerungen um 10 Prozent, die er in den letzten Wochen am Markt beobachtet hat.

Begonnen hat die Misere bereits am 30. September letzten Jahres: Damals brannte es im Werk Moriguchi von Panasonic. Betroffen davon waren Produktion und Versand von prismatischen und runden Lithium-Ionen-Zellen. Dieser Brand, so Helmut Siegmann, Sales Director der Industry Battery Unit von Panasonic Industrial Europe,  »hat zu großen Rückständen geführt, die erst langsam wieder abgebaut werden können«. Nach Auskunft von Sven Bauer, Geschäftsführer von BMZ, wird Panasonic mit drei neuen Fertigungslinien im September dieses Jahres die Produktion wieder aufnehmen. Mit einer Rückkehr zur normalen Liefersituation rechnet er zum Jahresende.

Von dem Brandschaden bei Panasonic könnten nach Einschätzung von Suter neben Notebook- auch Ersatz-Akkus aus der Nokia-Rückrufaktion betroffen sein. Der Brand bei LG Chem wird dazu führen, dass in den nächsten zwei, drei Monaten 9 bis 10 Mio. Lihtium-Ionen-Akkus pro Monat weniger auf den Markt kommen werden. Dass nach Auskunft von Branchenkennern auch Sony noch mit den Nachwirkungen seines Ersatzgeschäfts für die Rückrufaktion des Jahres 2006 kämpft, trägt nicht gerade zur Entspannung der Marktes bei.

Da die fünf führenden Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus, Sanyo, Panasonic, Sony, Sarnsung und LG Chem etwa 85 Prozent des Weltmarktes auf sich vereinen, lassen sich die Schwierigkeiten bei zweieinhalb dieser Hersteller nicht einfach durch die übrigen Marktbegleiter ausgleichen. Da dürfte es nur ein kleiner Trost sein, dass die führenden Hersteller derzeit massiv ihre Fertigungen erweitern. So errichtet Sanyo in Kaizuka ein neues Werk für Lithium-Ionen-Akkus, das aber nicht ganz über die Produktionskapazität von Tokushima verfügen dürfte. Auch Panasonic baut aus und will bis Mai sein Werk in Wakayama zu einer vollwertigen Fertigungsstätte ausbauen. Bisher wurden dort lediglich Komponenten für Batterien und Akkus hergestellt, in Zukunft wird das Werk die gesamte Produktionskette einschließlich Assemblierung, Qualitätskontrolle und Versand abdecken. Zusammen mit dem Werk in Osaka verfügt Panasonic dann zukünftig in Japan über zwei Produktionsstandorte für zylindrische und prismatische Lithium-Ionen-Akkus.

Auch wenn der ein oder andere kleine Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus derzeit Morgenluft wittert,  rechnen Branchenkenner wie Zankl damit, dass es im Boom-Markt in naher Zukunft zu der derselben Entwicklung wie vor zehn Jahren kommen bei NiMH-Akkus kommen wird. Zur Hochzeit dieses elektrochemischen Systems waren in der zweiten Hälhfte der 90er Jahre mehr als zwei Dutzend Hersteller am Markt aktiv. Heute teilen sich den NiMH-Markt im Wesentlichen vier Hersteller untereinander auf. »Damals wie heute ist es die Fertigungstechnik in der Massenproduktion, die sich als Knackpunkt erweisen wird«, mahnt Zankl,  »nur wer in der Lage ist, langfristig Qualität und Fertigungs-Know-how zu bieten, wird sich im Lithium-Ion-Segement langfristig am Markt behaupten können«.