Kampf um mehr Platz und mehr Leute

Das Karlsteiner Unternehmen BMZ entwickelt sich prächtig und würde gerne noch schneller wachsen

Karlstein.  Sven Bauer hat Probleme. Sein »Batterien-Montagezentrum« im Dettinger Gewerbegebiet am Sportplatz verbucht einen Auftrag nach dem anderen. Die weltweit erfolgreiche Akku-Schmiede stößt wieder einmal
an ihre Grenzen - räumlich ebenso wie personell.

Zwölf Mitarbeiter stark und hoch motiviert war 1994 das erste Team, kaum jemand - schon gar nicht die Banken - traute dem Kleinunternehmen BMZ viel zu. Sven Bauer, heute 40 Jahre alt, sprang damals sprichwörtlich ins kalte Wasser: Als Arbeiter in einem Industriebetrieb hatte er den ersten Boom der Akkumulatoren-Technologie mitbekommen: Tragbare Elektrogeräte ohne Kabel, das sah nach Zukunft aus. Know-how brachte er selbst mit und er hielt sich außerdem an kundige Kollegen, scharte einige Getreue um sich und legte unter beträchtlichen finanziellen Risiken los.

Heute beschäftigt die BMZ GmbH allein am Standort Karlstein 220 Mitarbeiter, unterhält Dependancen im Saarland und im Schwarzwald und hat außerdem in Polen und China Produktionsstätten eröffnet. Verkauft und verarbeitet werden BMZ-Produkte schon seit Jahren auf allen Kontinenten.

Dieses Jahr sind 30 Millionen Euro Jahresumsatz und ein Gewinn von 2,2 Millionen Euro prognostiziert. Gerade erst hat BMZ von Wirtschaftsprüfern die best-mögliche Rating-Einstufung erhalten.

Bausteine des rasant wachsenden Akku-Imperiums sind Batteriezellen aller Formen und Größen, die BMZ bei namhaften Herstellern in aller Welt in Millionenkontingenten kauft und in beeindruckenden Stückzahlen zu maßgeschneiderten Energiepaketen montiert. Die Kundenliste liest sich wie ein Katalog aktueller »Global Player«: Philips baut BMZ-Akkus in lebenserhaltende Apparate für die Medizintechnik ein, Siemens stattet Laptops damit aus.

Akkupakete aus Karlstein treiben Modellflugzeuge oder -boote, Rollstühle und Fahrräder an, stecken in lebenswichtigen Sicherheitsmodulen für Fallschirmspringer oder Funkgeräten für die Feuerwehr. Kaum zu zählen sind die Anwendungen, für die BMZ im Auftrag der Hersteller Energiekonzepte entwickelt und umgesetzt hat - auch elektrische Heckenscheren, Akkuschrauber und Golf-Caddys sind dabei.

Für jeden Zweck die passende Zelle und die richtigen Kombinationen finden, Schaltungen und »Software« für die optimale und vor allem sichere Nutzung entwickeln, schließlich die Serienfertigung des Akkupacks im eigenen Hause - darin besteht die Leistung, die laut Sven Bauer weltweit fast konkurrenzlos ist und die Produkte, vom ersten Plan bis zum fertigen Kraftpaket aus einer Hand, auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig macht.

20 bis 30 Prozent Wachstum

Mit einer amerikanischen Erfolgsstory hat die bisherige Firmengeschichte aus Sicht des unkonventionellen Managers nur das Entwicklungstempo gemein - 20 bis 30 Prozent Wachstum pro Jahr gelten bei BMZ als
durchaus normal. Von den Wirtschaftsgrundätzen der Neuen Welt, von gnadenloser Profitorientierung und »hire and fire« je nach Lage hält Sven Bauer indessen nicht viel: »Wir sind eine deutsche Firma und wollen es bleiben«, sagt er. Das habe auch mit sozialer Verantwortung zu tun. Jeder Mitarbeiter, vom angelernten Monteur bis zum hoch qualifizierten Entwickler, habe bei BMZ einen Job mit langfristiger Perspektive: »Wenn einer mit seiner Arbeit nicht so klar kommt, suchen wir ihm eine andere.« Exorbitante Manager-Gehälter gebe es ebenso wenig wie kostspieligen Luxus.

190 der 220 Karlsteiner Beschäftigten arbeiten in der Produktion, und es sollen noch mehr werden. Etwa 70 wurden seit Januar neu eingestellt, davon viele aus regionalen Firmen, die Leute entlassen mussten.
Etwa 100 könnten Bauer und die BMZ noch brauchen -aber weder der regionale Arbeitsmarkt noch das Gewerbeflächenangebot vermochten bisher mitzuhalten.

Schon länger steht neben der ersten, flachen Werkhalle ein imposanter mehrgeschossiger Bau - der nun wiederum zu klein geworden ist.

Gegenüber liegt ein Grundstück, das aber in privater Hand und trotz vielerlei Bemühungen des Geschäftsführers nicht zu bekommen ist.

Unlängst hat er der Gemeinde Karlstein einen Geländestreifen von 1600 Quadratmetern in der Nachbarschaft abgekauft und ist zuversichtlich, auch noch eine private Fläche von 4500 Quadratmetern nebenan zu bekommen.

Dankbar ist Bauer dem Karlsteiner Bürgermeister Winfried Bruder, der ihm ein großes Areal im künftigen Gewerbegebiet auf dem alten RWE-Gelände angeboten hat - aber wird das für die komplette Firma reichen?

Abgesehen von der Frage, wie die Immobilien am Sportplatz vermarktet werden könnten, will der Unternehmer auf keinen Fall eine räumliche Trennung in mehrere Standorte riskieren: »Forschung, Produktion und Verwaltung müssen direkt zusammenarbeiten. Nur so sind wir ja so weit gekommen."