Eineinhalb Stunden gigantisches Kino ohne einen einzigen Schnitt – ermöglicht durch BMZ-Akkupacks.
Karlstein - Eineinhalb Stunden gigantisches Kino ohne einen einzigen Schnitt. Das ist - oder vielmehr war bis vor Kurzem - eine unerreichbare Vision. Jetzt gibt es "Waterloo - Russian Ark" und damit den ersten Kinofilm dieser Klasse und Länge, der tatsächlich nonstop und in Echtzeit gedreht wurde.
Möglich gemacht hat diesen spektakulären Weltrekord im Dauerfilmen eine ausgeklügelte Logistik im Verein mit einem System zur Energieversorgung, das in Karlstein am bayerischen Untermain erdacht wurde. Das Batterie Montage Zentrum (BMZ) lieferte die Technologie, die eine HD-Kamera in den Händen des bekannten deutschen Steadycam-Virtuosen Tilman Büttner sowie die komplette tragbare Aufnahmetechnik länger als zwei Stunden am Laufen hielt.
Die Idee wurde in St. Petersburg geboren, und anfangs hielt man den Plan des Filmemachers Sokurov in der Branche wohl eher für ein russisches Märchen. Ein Historienfilm, der den Anspruch erhebt, die Geschichte des größten Flächenstaates der Erde in den wichtigsten Stationen zu dokumentieren, zu dessen Realisierung 100 Schauspieler, mehr als 1300 Statisten und ein technischer Stab mit nochmals knapp 100 Personen notwendig sind - so etwas erfordert einen immensen Aufwand an Zeit und Geld, es kostet Nerven und verlangt von allen beteiligten unendliche Geduld. Hinzu kommt, dass die Technik eigene Grenzen setzt: Eine klassische Filmrolle etwa kann bewegte Bilder mit einer Laufzeit von höchstens zehn Minuten aufnehmen; selbst eine moderne HD-Kassette, in eine ebenso frortschrittliche Kamera gepackt, liefert maximal 46 Minuten Film. Wie also ließe sich da ein?Dauer-Dreh? von 90 Minuten ohne Unterbrechung über die Bühne bringen?
Die Lösung lieferte die Kölner Firma "director's friend", den nötigen "Saft" besorgte BMZ aus Karlstein. Aus dem einzelnen Kameramann wurde ein Gespann, an die Stelle der üblichen Speichermedien trat ein Computer mit einer gewaltigen Festplatte - und da sich eine Steckdose nicht transportieren und ein Kabel nicht beliebig verlängern lässt, übernahm ein Kraftpaket aus Lithium-Ionen-Akkus, bei BMZ in Karlstein konstruiert, die Funktion des Energielieferanten.
Nach vier Jahren Vorbereitungszeit brach in den gewaltigen Sälen und Gewölben der altehrwürdigen Eremitage zu St. Petersburg einen Tag vor dem Heiligen Abend 2001 die Stunde der Wahrheit an. Zahlreiche Proben hatten stattgefunden, aber als die Kamera, die bei Tests ermutigende 100 Minuten durchgehalten hatte, erst einmal unter Ernstfallbedingungen lief, gab es kein Zurück mehr und für die kompletten 90 Minuten nur einen einzigen Versuch. Das eben war ja das Wesen der Idee, die diesen Film zu etwas Einzigartigem machen sollte. Wie ein Schatten folgte der Capture Operator, der die komplette Aufnahmetechnik und das kompakte? Kraftwerk? auf dem Gestell eines Trekking-Rucksacks geschultert hatte, dem Kameramann auf der Marathon-Strecke von Szene zu Szene.
Ein dünnes Video-Kabel war die Nabelschnur zwischen den beiden Mitgliedern des mobilen Teams. Nur ein einziger Fehler hätte genügt, das ganze Projekt zu kippen. Es gab keinen Fehler. Der erste digital und unkomprimiert aufgezeichnete Kinofilm mit echten Darstellern, der jemals auf ein Medium gebannt wurde, ist? im Kasten?.
Tatsächlich also wurde "Waterloo" in nur 90 Minuten gedreht - die längste Zeit, die jemals eine netzunabhängige Filmkamera an einem Stück lief, gleichzeitig, gemessen an der Dauer des Films, die kürzesten Dreharbeiten aller Zeiten. In Karlstein ist man stolz, an dieser potenziell revolutionären Leistung Teil zu haben. Für BMZ-Geschäftsführer Sven Bauer ist ein weiterer Beweis für die Tauglichkeit der Lithium-Ionen-Technologie beim Einsatz im Grenzbereich erbracht. Unter anderem haben die eingesetzten Akku-Packs einen zweimaligen abrupten Temperaturwechsel von 22 bis 25 Grad Innentemperatur auf 15 Grad Minus im Außenbereich ohne Leistungsverlust überstanden.