Mit Energie aus der Konserve gelangte BMZ an eine Spitzenposition in Europa

Mit Energie aus der Konserve gelangte BMZ an eine Spitzenposition in Europa

Die Firma, die jetzt ihren Sitz in Karlstein hat, ist Spezialist für aufladbare Akkus. 

Karlstein. Nicht weit von der neu erbauten Turnhalle im Dettinger Gewerbegebiet entfernt ruht eine gigantische Masse elektrischer Energie. Ein schlichtes, nagelneues Fertigungsgebäude birgt einen modernen Bienenstock, wie er emsiger kaum sein könnte. Schnörkellos und ganz auf Effizienz getrimmt, läuft hinter der leuchtend weißen Fassade des Batterien Montagezentrum (BMZ) mit seinen modisch blauen Tür- und Fensterrahmen Tag für Tag ein Mechanismus ab, der, als reinrassiges Fertigungs- und Handelsgeschäft im wuchernden Gestrüpp des Informationszeitalters fast schon nostalgisch wirkt.

 
Den Jahresumsatz des Karlsteiner Unternehmens gibt Gründer und Geschäftsführer Sven Bauer mit derzeit 25 Millionen Mark an. Elektrische Energie - nicht nur im übertragenen Sinne ist das der Stoff, aus dem der 34jährige Erfolgsmanager mit seinen rund 100 Mitarbeitern seit Jahren Gold zu machen versteht.
 
Boom der schnurlosen Energie
Nicht nur in der Handy- und Computerbranche werden Begriffe wie »schnurlos«, »mobil« und »unabhängig« als magische Formeln verehrt. Auch der Heimwerker, der Handwerksmeister, fast jeder Mechaniker und mancher Industriearbeiter geht heutzutage mit Elektrowerkzeugen um, die ihren »Saft« nicht aus der Steckdose, sondern aus Batterien beziehen – genauer: Aus Akkumulatoren oder »Akkus«, die sich wieder aufladen lassen.
Auch Modellbauer, Freizeitbastler und Hobbygärtner sind gleichsam dauerhaft gekoppelt mit dem technischen Fortschritt in Gestalt zylindrischer kleiner Kraftpakete. Der Akku

Sven Bauer, gelernter Werkzeugmacher aus Wörth am Main, hat auf diesem Wissen eine Erfolgsstory aufgebaut. BMZ, 1994 gegründet, ist heute Deutschlands Spezialist Nummer eins für Akku-Kompetenz. Europaweit rangiert die Firma, gemessen an Zahlen und Fakten, zwischen Platz zwei und drei.

Große Namen In der Kundenkartei
In der Kundenkartei der BMZ GmbH, die erst vor einem knappen Jahr aus gemieteten Räumen in Kleinostheim ins eigene Domizil nach Karlstein umgezogen und doch schon wieder an den räumlichen Grenzen ihres Expansionsdrangs angelangt ist, finden sich Namen wie Siemens, Braun, Gardena, Bosch, AEG und Metabo. Einige davon beliefert BMZ exklusiv.

Kaum noch zählen lassen sich die Kunden, die sich direkt als Verbraucher an die Akku-Spezialisten wenden: Modellbauklubs und Privatpersonen, die maßgeschneiderte Antriebslösungen für ihre Kreationen suchen, ebenso wie Feuerwehren und Hilfsorganisationen, deren Funkgeräte mit Akku-Packs aus dem Hause BMZ funktionieren.

Wie kommt ein junger Mann darauf, sich auf Energie aus der Konserve zu spezialisieren? Bei Sven Bauer hört sich der lange Weg vom Industriearbeiter zum Erfolgsmanager wie ein Spaziergang an: Werkzeugmacher-Lehre bei Achsen-Sauer in Wörth, später Roboter-Montage bei einer Spezialfirma. Sven Bauer bildete sich zum Handwerksmeister weiter, später zum Techniker und schließlich zum Ingenieur für Betriebsautomation an der Technischen Hochschule in Darmstadt.

Unternehmerischen Schliff holte sich der heutige BMZ-Chef in seinen zwei Jahren als Betriebsleiter bei einer Firma, die sich mit der Weiterentwicklung der Akku-Technologie befasste. Als das Unternehmen Konkurs anmelden musste, wagte Sven Bauer den Sprung in die Selbständigkeit: Mit einem Kredit, den er zwar nicht von seiner Hausbank, schließlich aber doch von einem Fremdfinanzierer bekam, kaufte er den Maschinenpark seines ehemaligen Arbeitgebers auf - die Basis für den Erfolg des BMZ war geschaffen.

Mit zwölf Mitarbeitern und 1,2 Millionen Mark Umsatz im ersten Jahr begann 1994 die Geschichte des jungen Unternehmens. Diese Zwölf sind heute noch dabei und bilden den Kern der dynamischen Mannschaft, die zu einem nicht geringen Teil aus Heimarbeitern mit festen Anstellungsverträgen besteht.


Als Systemanbieter und Spezialist für intelligente Lösungen hat sich BMZ in nur sieben Jahren die Position eines Marktführers gesichert. Von der elektrischen Gartenschere über mobile Spielzeuge, Bohrmaschinen und Akkuschrauber bis hin zum Laptop und zum Handy rüstet die Firma fast alles mit Kraftpaketen aus, was mit Strom läuft und tragbar ist.

Hoch spezialisierte Anwendungen
Die Batteriezellen, die in Karlstein zu komplexen Akku-Paketen in allen nur denkbaren Formen verarbeitet werden, kauft die Firma zum jeweils günstigsten Preis auf dem Weltmarkt ein – immer am Puls der Zeit sozusagen, immer bemüht, die Produkte leichter, handlicher und nicht zuletzt auch effizienter zu machen.

Neue Ideen müsse also am laufenden Band produziert werden, und da bleibt es nicht aus, dass BMZ-Akkus auch in ganz besonderen Apparaten Verwendung finden: Im Antrieb elektrischer Rollstühle etwa, in den Airbag-Anlagen hochkarätiger Automobile – und als Lebensretter im Gepäck von Fallschirmspringern: Akkus aus Karlstein liefern die Energie für luftdruckgesteuerte Notfallschirme, die sich automatisch öffnen, wenn die Reißleine versagt