Akku-Geheimnis gelöst.
Akkupacks für digitale Handys.
Hersteller sind gezwungen, tragbare Geräte mit Akkus auszustatten, die eine möglichst lange Betriebszeite erlauben. Durch hineinpacken von mehr Energie in das Leistungspack, könnten andere Qualitäten vernachlässigt werden, von denen eine die Lebensdauer ist. Dies ist zum Teil bei NiMH Akkus der Fall.
Lange Lebensdauer, große Leistung und einen kleinen Innnenwiderstand sind in der NiCd Akkufamilie zu finden. Diese Chemie ist jedoch heute besonders bei Handys weniger gefragt. Negative Veröffentlichungen über das sogenannte ’Memory-Phänomen’ und Befürchtungen hinsichtlich der Toxidität des Metalls veranlassten die Kundschaft auf alternative Produkte auszuweichen. Heute sind fast alle modernen Handys mit Li-Ion ausgestattet.
Mit dem Trend weg vom analogen, hin zum digitalen Handy, werden neue Anforderungen an den Akkumulator gestellt. Anders als bei analogen Handys, die gleichmäßig Strom verbrauchen, beansprucht das Digitale den Akku mit kurzen starken Stromstößen. Das GSM Handy benötigt bis zu 1.7A Strom, wenn es im äußeren Grenzbereich bei maximaler Übermittlungsleistung betrieben wird. Bild 1 zeigt die typische Strombelastung eines GSM Handys.
Eine der dringlichsten Anforderungen des Akkus für digitale Handys ist ein geringer Innenwiderstand (Ri). Gemessen in Milli-Ohm (mΩ), ist der Innenwiderstand der Wächter eines Akkus, der in großem Maße die Dauer der Sprechzeit bestimmt. Je geringer der Widerstand, desto besser kann der Akku die erforderlichen Ströme liefern. Ein großer Ri führt zu verfrühter ‘Akkuschwäche’-Anzeige bei einem Akku der möglicherweise noch über genügend Energievorrat verfügt. In diesem Fall kann die gespeicherte Energie nicht vollständig abgegeben werden.
In Bild 2 untersuchen wir vier wesentliche, global vertriebene Handysysteme und vergleichen deren Anforderungen an Spitzenstromstärken und Spitzenleistungen. Es handelt sich um die Systeme AMP, GSM, TDMA und CDMA. Das Tetra System ist ähnlich wie TDMA.
AMP GSM TDMA CDMA
TypeLeistungsspitzen Stromspitzen1In Gebrauch seit Analog0.6W0.3A DC1985 Digital;1 - 2 Watts 1 - 2.5A 1986 Digital0.6 - 1 Watts0.8 - 1.5A 1992 Digital 0.2 Watts0.7A1995 - 96
Welches ist der beste Akkupack für das digitale Handy?
Ein Verkaufsberater von Handys und Funkgeräten wird dem Kunden vielleicht raten, Akkus mit der höchstmöglichen Leistungsstufe zu wählen und die NiCd wegen des ‘Memory’ Problems abzulehnen. Der Kunde könnte sich für die schlank geformte NiMH entscheiden, denn sie bietet eine relativ hohe Kapazität in einem handlich kleinen Pack und einigermaßen günstigem Preis.
Was auf den ersten Blick wie eine gut getroffene Wahl aussieht, stellt sich jedoch nach folgenden Analysen als fragwürdig heraus, so daß andere Chemievarianten möglicherweise eine bessere Wahl geboten hätten. Vom Gesichtspunkt der Leistung her bietet die NiMH gute Werte, jedoch läßt die Leistung aufgrund abfallender Kapazität und steigendem Innenwiderstand nach zirka 300 Zyklen nach. Im Vergleich dazu kann die NiCd mit über 1000 Zyklen beansprucht werden und deren Widerstand bleibt dennoch verhältnismäßig gering. Es sollte jedoch erwähnt werden, daß die NiCd vergleichsweise zur NiMH ungefähr 30% weniger Leistung bietet.
Die NiMH und NiCd gelten als wartungsintensive Akkus, welche regelmäßig zyklisch entladen werden müssen, um Memory-Verluste zu vermeiden. Obgleich der NiMH ursprünglich als frei von Memory angepriesen wurde, wird er durch Memory beinahe genauso beeinflusst wie der NiCd. Die kristallinen Formationen, welche den Leistungsverlust verursachen, werden durch die Nickelplatte erzeugt, einem Metall, das sich in beiden Chemievarianten wiederfindet. Aufgrund seiner kürzeren Zyklus-Lebensdauer im Vergleich zum NiCd erscheint der Memory-Speicherverlust nicht so offensichtlich bei der NiMH.
Memory lässt sich jedoch bei den auf Nickel basierenden Akkus durch ein vollständiges Entladen einmal im Monat kontrollieren. Es ist nicht zu empfehlen, den Akku vor jeder Aufladung ganz zu entladen, da dies das Pack unnötig beansprucht und die Lebensdauer verkürzen würde. Gleichfalls ist es nicht ratsam, die Akkus über längere Zeit im Aufladegerät zu belassen. Wenn er nicht benutzt wird, sollte ein Akku normal gelagert und erst vor Gebrauch geladen werden.
Ist der Li-Ion-Akku die bessere Wahl? Durchaus ja - in vielen Fällen. Der Li-Ion ist ein weniger wartungsbedürftiger Akku, der eine gute Kapazität bietet, leicht an Gewicht ist, und nicht periodisch aufgeladen werden muß. Der Li-Ion benötigt kein periodisch ansetzendes Entladen, da er nicht von Memory beeinflusst wird. Kein “trickle charge” ist erforderlich, sobald der Akku die volle Ladung erreicht hat. Der Akku kann so lange im Ladegerät verbleiben, bis er benutzt wird.
Es muß jedoch angemerkt werden, dass der Li-Ion als Teilvorgang einer fortschreitenden Alterung allmählich ihre Wiederaufladefähigkeit verliert, selbst dann wenn er nicht benutzt wird. Aus diesem Grunde sollten Li-Ion Akkus nicht über längere Zeit gelagert werden, sondern müssen, ähnlich verderblichen Produkten, laufend umgesetzt werden. Beim Kauf des Ersatzakkus sollte der Käufer besonders auf das Herstellungsdatum achten. Leider ist diese Information oft in Form einer Seriennummer verschlüsselt und so dem Verbraucher unzugänglich.
Verglichen mit andern verfügbaren Akkusystemen ist der Li-Ion der teuerste Akku. Doch es ist dennoch gut geeignet für Leute, die das Handy täglich benutzen. Bis zu 1000 Lade-/Entladezyklen lassen sich innerhalb der voraussichtlichen Lebensdauer von zwei Jahren anwenden. Wegen des Alterungseffektes bietet der Li-Ion-Akku jedoch keine besonders wirtschaftliche Lösung für den gelegentlichen Benutzer.
Auch wenn der generelle Energiebedarf eines digitalen Handys geringer ist als der des analog betriebenen, muß der Akku für ein digitales Telefon in der Lage sein, hohe Stromstöße zu liefern, die oft ein Vielfaches des Eigenwerts betragen.
Betrachten wir die Belastungen eines digitalen Handys in C-Einheiten. Wenn ein 500mAh-Akku mit 1C entladen wird so fließt ein Strom von 500mA. Dementsprechend fließen 1000mA wenn mit 2C entladen wird. Ein GSM Handy das mit einem 500mAh Akku betrieben ist und 3C Impulse entzieht, belastet die Zellen mit 1.5A.
Ein 3C Wert der jeweiligen Entladung ist durchaus akzeptierbar bei einem Akku mit niedrigem Innenwiderstand. Dennoch stellen alternde Li-Ion und NiMH ein Problem dar, weil sich der Ri dieser Akkus mit zunehmendem Alter und mehr Zyklen erhöhen.
Verwendet man größere Akkus erhält man eine höhere Kapazität, auch bekannt als “Extended Pack”. Obwohl entsprechend größer und schwerer, bieten erweiterte Packs jedoch eine typische Kapazität von ungefähr 1000mAh - nahezu doppelt so hoch wie bei den Standardausführungen. Ausgedrückt als C-Wert wird die 3C Entladelast auf 1.5C reduziert, wenn ein 1000mAh statt einen 500mAh Akku eingesetzt wird.
Warum versagen anscheinend gute Akkus in digitalen Handys?
Als Teil laufender Forschungsprogramme führt BMZ zyklische Dauertests mit den verschiedensten Akkusystemen durch, um die am besten geeigneten Systeme für verschiedene Handys zu finden. Obwohl jedes Pack für sich eine gute Kapazität aufweist, zeigen sich verblüffende Abweichungen bei simulierten GSM Entladungen bei 1C, 2C und 3C.
Bei näherem Untersuchen werden erhebliche Unterschiede in den mΩ Werten der geprüften Akkus erkennbar. Jedoch sind diese Daten in der Tat typisch bei Akkus, die sich seit einiger Zeit im Gebrauch befanden. Die Li-Ion zeigt 320 mΩ an, die NiMH 778 mΩ und die NiCd 155 mΩ, obwohl die Leistungsanzeige bei 94%, 107% und 113% liegt. Aus den Tabellen ist zu entnehmen, dass die Sprechzeit in direkter Beziehung zum Innenwiderstand des Akkus steht.
Wie wird der Innenwiderstand gemessen?
Eine der wichtigsten Eigenschaften von modernen Akku-Analyser ist die Fähigkeit den Akkuwiderstand zu bestimmen. Als Teil der natürlichen Alterung steigt der Innenwiderstand der Li-Ion und andern Akkus allmählich durch fortschreitende Zelloxidation. Je höher der Widerstand, desto schlechter ist der Zustand des Akkus.
Wie lässt sich der Innenwiderstand eines Akkus messen? Die Gleichstrom- (DC) Methode ist das einfachste Messverfahren. Hier wird der Akku mit einem Widerstand belastet und der Spannungsabfall wird gemessen. Über R=U:I lässt sich der Innenwiderstand ermitteln. Die Wechselstrom-(AC)-Methode, auch als „Konduktivtest“ bzw. „Leitfähigkeitstest“ bekannt, misst die elektro-chemischen Eigenschaften des Akkus mit Hilfe von Wechselstrom. Akkukorrosion und andere Defekte lassen sich so identifizieren.
BMZ hat ein eigenständiges pulsierendes Verfahren entwickelt, um den Innenwiderstand der Akkus zu messen. Bekannt als OhmTest™, wird der Wert in Milliohm (mΩ) innerhalb von zehn Sekunden ermittelt, ohne dass der Akku entladen wird. Als ein Bestandteil der C7000 Akku-Analyser Serie lässt sich mittels des OhmTestes eine große Anzahl Akkus innerhalb Minuten überprüfen
Der OhmTest™ erlaubt das Durchprüfen einer großen Zahl von Akkupacks innerhalb von Minuten. Diese Technik ist besonders bei den Anbietern von Handys, die einen ganzen Pool von Akkus warten und verkaufen, beliebt und gefragt. Außerdem sind Service-Zentren mittels des Ohm-Tests in der Lage, sofort Packs zu prüfen, während die Kunden darauf warten können.
Es soll jedoch vermerkt werden, dass der OhmTest™ nicht endgültige Schlüsse über den Ladezustand oder den Gesundheitszustand der Zelle zulässt. Die Werte können weit auseinander liegen und hängen von vielen Umständen ab, wie z.B. der Akku-Chemie, der Zellgröße (mAh), Art der Zelle, Anzahl der in Serie verbundenen Zellen, Schutzschaltkreisen, Verdrahtung und Material der Kontakte. Der Ladezustand zur Zeit der Ablesung spielt ebenfalls eine Rolle. Ein Akku muss mindestens 50% geladen sein, um aussagefähige Resultate zu gewinnen.
Eine feste Verbindung ist unerlässlich, da ein schlecht verbundener Kontakt ein höherer Widerstand hat. Krokodilklemmen und lange Verbindungen sind nicht geeignet.
Um den OhmTest™ zur Akkubewertung nutzbringend und aussagekräftig anzuwenden, ist es wichtig, die Werte eines guten Akkus als Bezugsgröße heranzuziehen. Weil jedoch jeder Akkutyp anders ist, sind Referenzwerte für jedes Modell nötig.
Die folgenden Angaben können als Richtwerte für digitale Handys gelten:
150mΩ per 3.6V oder geringer Sehr gut
150-250mΩ per 3.6V Gut
250-350mΩ per 3.6V Genügend
350-500mΩ per 3.6V Schlecht
Über 500mΩ per 3.6V Fehlerhaft
Es ist anzumerken, dass die Akkuspannung in Relation mit dem abgelesenen Widerstandswert steht. Ein Handy braucht Power. Das heißt, je höher die Spannung, desto geringe die Ströme müssen fließen. Theoretisch betrachtet würde ein 7.2 Volt Akku es zulassen, den doppelten Ri eines 3.6 Volt Packs zu erreichen, da aus ihm nur halb so viel Strom abgezogen wird.
OhmTests können am besten bei Li-Ion-Akkus angewandt werden, da der Leistungsverfall mit der internen Zellenkorrosion in Beziehung steht, welcher sich in einem gesteigerten Innenwiderstand reflektiert. Die Leistung eines NiMH Akkus kann ebenfalls weitgehend identifiziert werden, NiCd eignet sich jedoch nicht besonders gut.
Ein geringer Innenwiderstand garantiert nicht unbedingt eine hohe Leistung beim NiCd Akku. Anders als beim Li-Ion, lassen sich NiCd und NiMH mit hohem Innenwiderstand oft noch durch das Rekonditionierungsprogramm eines BMZ 7000 Akku-Analysers wiederherstellen, da der schlechte Zustand infolge Memory entstanden sein kann. Erfolgreiches Rekonditionieren ist daran zu erkennen, dass sich die Widerstandsgröße mit Faktor zwei bis drei verbessert. Eine vollständige Akkuaufbereitung ist im allgemein möglich.